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Schwierige Hafensuche für 400 Gerettete

Schwierige Hafensuche für 400 Gerettete

Zwei im Mittelmeer für die Hilfsorganisationen SOS Medierranee und Ärzte ohne Grenzen (MSF) sowie Proactiva Open Arms im Einsatz befindliche Schiffe sind mit über 400 Geretteten an Bord auf der schwierigen Suche nach einem Hafen. Wohin die Menschen gebracht werden, ist derzeit völlig offen. Die beiden nächstgelegenen europäischen Länder – Italien und Malta – haben ihre Häfen für Flüchtlingsschiffe weitgehend dicht gemacht.

Demnach verhandelt die Besatzung der „Open Arms“ bisher auch vergeblich mit den Behörden in Malta über die Aufnahme der 160 an Bord befindlichen Menschen. Malta teilte mit, das Land wolle nur jene 39 aufnehmen, die in der Nacht zum Samstag gerettet worden waren. Die Aufnahme der übrigen 121 Bootsflüchtlinge lehnte die Regierung in Valetta ab, weil sie schon lange an Bord des Schiffes waren.

„Open Arms“ habe diese Lösung jedoch abgelehnt und bestehe darauf, dass Malta alle 160 Geretteten aufnehme, hieß es. Zuvor hatte die Hilfsorganisation Maltas Entscheidung im Kurzmitteilungsdienst Twitter kritisiert, da diese Spannungen auf dem Schiff ausgelöst habe. Die Entscheidung Maltas habe zu einem „ernsthaften Sicherheitsproblem an Bord“ geführt, erklärte Oscar Camps, Gründer von Proactiva Open Arms.

Über 250 Gerettete auf „Ocean Viking“

Auf der „Ocean Viking“ ist am Sonntag unterdessen die Zahl der Geretteten weiter auf mittlerweile 251 Menschen angestiegen. Es ist die erste Rettungsaktion der unter norwegischer Flagge fahrenden „Ocean Viking“. SOS Mediterranee und MSF hatten 2018 nach drei Jahren ihre gemeinsamen Rettungsaktivitäten mit dem Schiff „Aquarius“ auf politischen Druck Italiens hin eingestellt.

Flüchtlinge auf dem Rettungsschiff „Ocean Viking“
APA/AFP/Anne Chaon
Mit der „Ocean Viking“ sind Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranee wieder an Rettungseinsätzen im Mittelmeer beteiligt

Die „Ocean Viking“ hatte bereits am Freitag 85 Menschen von einem vor der Küste Libyens treibenden und von einem Flugzeug der EU-Mittelmeer-Mission „Sophia“ entdeckten Schlauchboot gerettet. Allein dieser Einsatz habe gezeigt, „dass dringend Rettungsschiffe im Mittelmeer benötigt werden“, erklärte Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. „Diese humanitäre Krise kann nicht alleine von privaten Hilfsorganisation bewältigt werden. Seenotrettung ist eine staatliche Aufgabe.“ Die „Ocean Viking“ werde vorerst nach weiteren Menschen in Seenot in dem Gebiet suchen.

Italiens rechtspopulistischer Innenminister Matteo Salvini machte in einem Schreiben an die norwegische Regierung unterdessen seine Haltung deutlich. Italien sei demnach „weder gesetzlich verpflichtet noch bereit“, die Migranten an Bord der „Ocean Viking“ aufzunehmen. Das Gleiche gelte für die Bootsflüchtlinge auf der „Open Arms“.

Team des Rettungsschiffes „Ocean Viking“ beim Bergen von Flüchtlingen auf einem Schlauchboot
AP/MSF/Sos Mediterranee/Hannah Wallace Bowman
Seit Freitag wurden von der „Ocean Viking“-Besatzung über 250 Menschen geborgen

Libysche Marine kritisiert Umgang mit Flüchtlingen

Häfen in Libyen sind für die Rettungsorganisationen indes keine Option. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) leben mindestens 5.200 Menschen in libyschen Flüchtlingslagern, die sie nicht verlassen dürfen. Hilfsorganisationen kritisieren, die Auffangstätten seien rechtsfreie Räume.

Kritik am Umgang mit den Flüchtlingen im eigenen Land kam zuletzt auch von der libyschen Marine. Diese warf dem Innenministerium am Freitag Versagen bei der Aufnahme von im Mittelmeer geretteten Menschen vor. Manchmal müssten diese mehrere Tage im Hafen auf dem Boden schlafen, bevor die Behörden sie abholten und in Internierungslager brächten, sagte ein Sprecher der Marine. Er warnte, die Marine könnte künftig gezwungen sein, die Migranten nach ihrer Rettung laufen zu lassen.

„Flüchtlinge, die vor einem Feuer weglaufen“

Unterdessen erhob am Wochenende auch US-Schauspieler Richard Gere für die in Notlage geflüchteten Menschen und die im Mittelmeer aktiven Hilfsorganisationen seine Stimme. Bei einer Pressekonferenz von Proactiva Open Arms auf der italienischen Insel Lampedusa kritisierte Gere die harte Haltung Italiens zu den Migranten. „Ich liebe die Italiener sehr, eure Großzügigkeit und eure Lebensfreude. Und doch habe ich festgestellt, dass sich da etwas geändert hat.“

US-Schauspieler Richard Gere bei einer Pressekonferenz zur Unterstützung des Rettungsschiffes „Open Arms“
Reuters/Guglielmo Mangiapane
Richard Gere kritisierte bei einer Pressekonferenz auf Lampedusa Italiens harte Haltung in der Migrationsfrage

„Die meisten Leute sprechen über sie als ‚Migranten‘“, wie Gere zudem sagte: „Aber für mich sind sie Flüchtlinge, die vor einem Feuer weglaufen.“ Er habe mit fast allen Menschen an Bord gesprochen, alle hätten ihre eigene Geschichte. Alle seien wohlauf gewesen, aber es sei wichtig, dass sie nun „einen freien Hafen erreichen, von Bord gehen und ein neues Leben beginnen“ könnten, sagte der Schauspieler, der am Freitag auch den bis dahin 121 Geretteten und der Besatzung der „Open Arms“ einen Besuch abstattet hatte.

 

 

 

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